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Sonntag| 12. April

11+16 Uhr | Landesmuseum Hannover

Einlass: 10 Uhr in die Ausstellungen mit Konzert-Eintrittskarte
Einlass Konzert: ca. 10:45 Uhr bzw. 15:45 Uhr

Siebtes Kammerkonzert

Mitglieder des Niedersächsen Staatsorchesters Hannover

Programm
Biografien
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Eine Veranstaltung der Staatsoper Hannover

Programm

Siebtes Kammerkonzert

Drei Mal Amerika – und das aus ganz unterschiedlichen musikalischen Positionen heraus: Der aus einer jüdischen Familie stammende Erich Wolfgang Korngold schrieb sein zweites Streichquartett ein Jahr vor seiner Flucht in die USA. Ein paar Monate später begann seine Karriere in Hollywood, wo er in den Folgejahren grandiose Filmmusiken komponierte. Antonín Dvořák war im Frühling 1893 bereits in den USA angekommen und hatte in Spillville (Iowa) unter anderem sein „Amerikanisches Quartett“ zu Papier gebracht. Caroline Shaw komponiert dagegen ohne die Bürde einer baldigen Übersiedlung in die USA. Auch muss sie nicht erst dort ankommen, wurde sie – die schon mit Rapper Kanye West zusammenarbeitete – doch 1982 im US-amerikanischen Greenville (North Carolina) geboren. Ihre Musik ist ambitioniert, ohne dabei zwanghaft der Neue-Musik-Tradition Mitteleuropas nachzuhecheln. Vielleicht – im guten Sinne – amerikanisch?


Programm

Caroline Shaw (*1982)
Entr’acte für Streichquartett (2011)

Erich Wolfgang Korngold (1897–1957)
Streichquartett Nr. 2 Es-Dur op. 26 (1933)

Antonín Dvořák (1841–1904)
Streichquartett F-Dur op. 96
„Amerikanisches Quartett“ (1893)

Dauer ca. 90 Minuten ohne Pause


Aufführende

Anna-Maria Brödel (Violine)
Yoojung Kwak (Violine)
Anne-Caroline Thies (Viola)
Marion Zander (Violoncello)

Werkkommentare

Die USA als (gedachte) Station/Nation: Vor der Reise (Korngold), während des Aufenthalts (Dvořák) – und schließlich als authentische Heimat (Shaw).

Der aus einer jüdischen Familie stammende Erich Wolfgang Korngold schrieb sein zweites Streichquartett 1933 – in einem Jahr, das politisch bereits von düsteren Vorzeichen überschattet war. Noch war Korngolds Musik ganz in der spätromantischen Klangwelt verwurzelt, reich an üppigen Harmonien, schillernden Modulationen und einer melodischen Emphase, die zum Markenzeichen Korngolds gehörte. Und doch hört man in diesem Quartett bereits jene dramatische Zuspitzung, jene leuchtende Theatralik, die wenig später im amerikanischen Exil ihre neue Bühne finden sollte. 1934 reiste Korngold erstmals nach Hollywood, 1938 emigrierte er endgültig in die USA. Dort begann seine zweite Karriere: als Pionier der sinfonischen Filmmusik, vielfach ausgezeichnet, stilbildend für Generationen. Das zweite Streichquartett steht damit an einer Schwelle – als Dokument eines Europas vor dem Bruch und zugleich als Vorahnung eines „amerikanischen Kapitels“.

Ganz anders die Situation bei Antonín Dvořák: Als dieser 1892 die Leitung des National Conservatory in New York übernahm, war dies kein erzwungener Aufbruch, sondern eine bewusst gewählte Herausforderung. Im Sommer 1893 verbrachte Dvořák einige Wochen in Spillville (Iowa), einer kleinen Gemeinde mit böhmischen Eingewanderten. Hier komponierte Dvořák sein Streichquartett F-Dur op. 96, das „Amerikanische Quartett“. Anders als Korngold stand Dvořák nicht am Rand eines Verlustes, sondern lebte gewissermaßen umringt von inspirierenden Einflüssen als von den USA Eingeladener; ein inspirierendes Spielfeld, geprägt von produktiven Begegnungen und ungewöhnlichen musikalischen Erfahrungen: Dvořák begegnete sowohl der geistlichen Musik der People of Color als auch den Melodien der Native Americans.

Und schließlich Caroline Shaw: Bei ihr ist Amerika kein Sehnsuchtsort, kein Exil, kein Experimentierfeld der Fremde – sondern Herkunft. 1982 in Greenville (North Carolina) geboren, wuchs sie selbstverständlich innerhalb der US-amerikanischen Musiklandschaft auf. Ihre künstlerische Biografie kennt keine Emigrationsgeschichte; sie musste nicht erst „ankommen“. Shaw bewegt sich frei zwischen den Sphären: als Komponistin, Geigerin, Sängerin; als Pulitzer-Preisträgerin und zugleich Kollaborateurin in Pop- und Rap-Kontexten, etwa mit Kanye West. Diese Durchlässigkeit prägt auch ihr Streichquartett Entr’acte (2011). Ausgangspunkt ist ein barocker Impuls – ein Menuett von Haydn –, doch Shaw transformiert dies Menuett in eine Musik der feinen Verschiebungen: plötzliche Generalpausen, mikrotonale Irritationen, schwebende Klangflächen, beinahe fragile Gesten. Die Tradition wird nicht demonstrativ dekonstruiert, sondern spielerisch befragt. Kein genervtes Draufhauen, sondern liebevolles Sezieren! Ein äußerst hörenswertes Werk, zum Dranbleiben; ein aufregendes Puzzle-Erlebnis im Rahmen eines Streichquartettkonzerts.

Biografien

Anna-Maria Brödel (Violine)

Anna-Maria Brödel, 1979 in Mühlhausen (Thüringen) geboren, erhielt den ersten Violinunterricht in ihrer Heimatstadt und studierte in Weimar, Rostock und Berlin. Sie war Preisträgerin beim internationalen Violinwettbewerb Kloster Schöntal und Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung der Dresdner Bank. Sie spielte unter anderem im Konzerthausorchester Berlin, im Rundfunkorchester Berlin und im Deutschen Kammerorchester Berlin. Seit 2004 ist Anna-Maria Brödel Mitglied der 1. Violinen des Niedersächsischen Staatsorchesters in Hannover. Neben der Orchestertätigkeit nimmt die Kammermusik einen wichtigen Platz in ihrem musikalischen Leben ein. So spielt sie in diversen Besetzungen – oft auch mit ihren Brüdern Hansjacob und Peter-Philipp Staemmler – ein breites Spektrum kammermusikalischer Werke.

Yoojung Kwak (Violine)

Yoojung Kwak, 1983 in Incheon (Südkorea) geboren, erhielt ihren ersten Geigenunterricht im Alter von acht Jahren. Von 1993 bis 2001 spielte sie im Jugendorchester, wo sie umfassendes Orchester-Repertoire kennenlernte und Konzerterfahrungen sammelte. Mit zehn Jahren gab sie ihr Solodebüt in Korea, Australien und Neuseeland. Nach dem Bachelor-Abschluss an der Ewha Universität Seoul setzte sie ihre künstlerische Ausbildung an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bei Prof. Adam Kostecki fort. Von 2009 bis 2012 studierte sie für ihr Konzertexamen bei Prof. Thomas Christian an der Musikhochschule Detmold. Yoojung Kwak gewann in der Schul- und Studienzeit viele Wettbewerbe, darunter den Alumni-Asta-Wettbewerb 2010 der Musikhochschule Detmold. Seit 2011 ist sie in der Gruppe der 1. Violinen Mitglied des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover.

Anne-Caroline Thies (Viola)

Anne-Caroline Thies, geboren in Hamburg, war während ihrer Schulzeit jahrelang Konzertmeisterin des Albert-Schweitzer-Jugendorchesters sowie Mitglied des Bundesjugendorchesters und mehrmalige Bundespreisträgerin beim Wettbewerb „Jugend musiziert“. Nach dem Abitur studierte sie an der Musikakademie Basel Violine bei Prof. Thomas Füri und Viola bei Prof. Christoph Schiller. Meisterkurse absolvierte sie unter anderem bei Nora Chastain, Hatto Beyerle, Walter Levin, György Kurtag und Gidon Kremer. Thies war Mitglied beim Concertino und Kammerorchester Basel und bei der Camerata Hamburg. Ständige Aushilfstätigkeiten führten sie ins Orchester der Deutschen Oper Berlin und zu den Bamberger Symphonikern. Seit 2002 ist Anne-Caroline Thies Mitglied der Bratschengruppe des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover.

Marion Zander (Violoncello)

Marion Zander, in Braunschweig geboren, studierte Violoncello an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bei Prof. Klaus Storck sowie an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf in der Solistenklasse von Prof. Johannes Goritzki. Meisterkurse besuchte sie bei Martin Ostertag, Siegfried Palm und Boris Pergamenschikow. Marion Zander ist Mitglied verschiedener Kammermusikensembles. Sie war Solocellistin im Ensemble „fonte di musica“. 2000 gewann sie mit dem Leonis-Quartett Braunschweig beim internationalen Wettbewerb für Streichquartette einen Förderpreis der Rudolf-Hartung-Stiftung. Seit 1990 ist sie Cellistin im Niedersächsischen Staatsorchester Hannover.

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