
Sonntag | 19. April
17 Uhr | RAMPE | Gerhardtstraße 3
Komponieren im Exil
Ensemble Tedeco

Ensemble Tedeco
Paul Hindemith (1895–1963)
Ludus minor
Fuga prima
Interludium: Leicht bewegt
Fuga secunda
Interludium
Fuga tertia
Terry Riley (*1935)
in C
Ruth Schonthal (1924–2004)
Duo
Tranquillo
Allegro cantabile
Allegro
Allegretto scherzando
Allegretto amabile
Tango for two
Paul Hindemith
Sonate für Violoncello Solo op. 25 Nr.3
Lebhaft, sehr markiert, Mit festen Bogenstrichen
Mäßig schnell, Gemächlich, Durchweg sehr leise
Langsam
Lebhafte Viertel, Ohne jeden Ausdruck und stets Pianissimo
Mäßig schnell, Sehr scharf markierte Viertel
George Speckert (*1951)
American Freedom
(komponiert für das Ensemble Tedesco)
Jazzin it!
Square Beat Hop
Got The Blues
Boogie Woogie
Ofer Ben-Amots (*1955)
Cantillations
Introduction
The Voice of Ashkenaz
Germaine Tailleferre (1892–1983)
Sonate für Klarinette solo
Allegro tranquillo
Andantino espressivo
Allegro brioso
Paul Hindemith
Musikalisches Blumengärtlein
1.
2. Priere d’une vierge dans la Tonart mixolydique
3.
4. Kanon (zum Schießen)
5. Broken Melody
6. Marsch der Löwenreichswehr (Oberst W. gewidmet)
7. Lied
8. Die Gebetsmühle im Schwarzwald, Charakterstück
9. Ein Tänzlein
Ensemble Tedesco
Bodil Mohlund – Klarinette und Saxophon
Sabine Angela Lauer – Violoncello
Während der Naziherrschaft wurde es verboten Paul Hindemiths Werke aufzuführen, sie wurden als „entartete Musik“ bezeichnet, obwohl er sich bereits mit seinen Kompositionen einen Namen gemacht und weltweit Berühmtheit erlangt hatte. Hinzu kam, dass seine Frau jüdischer Abstammung war, und so zogen die beiden 1940 in die USA und ließen sich dann ab 1953 in der Schweiz nieder.
Hindemith griff gerne auf alte Formen zurück, und so wechseln in seinen fünf kurzen Sätzen des Ludus minor jeweils eine Fuge (Bach war sein großes Vorbild) mit einem tänzerischen Interludium ab. Er schrieb diese kleine „Gebrauchsmusik“ für sich und seine Frau, da sie Cello spielte und er auch Klarinette, so dass sie zusammen musizieren konnten.
Die Solosonate für Cello ist ein beliebtes und anspruchsvolles Repertoire-Stück vieler Cellisten, ihre fünf Sätze strahlen zugleich Frische und Lebendigkeit aus. Der romantisch-melodiöse langsame Satz bildet die Mitte, direkt davor und danach huschen zwei feenhaft leise, kurze und witzige Sätze vorbei, das Ganze umrahmen die kraftvollen und energiegeladenen Ecksätze.
Es war auch Hindemiths Anliegen die Musik mit Humor zu würzen. Er kannte das manchmal zu Verdrossenheit führende Profileben eines Musikers und hatte deshalb gerne eine Überraschung und einen Spaß parat. Im musikalischen Blumengärtlein findet sich reichlich davon, die Überschriften „Kanon (zum Schießen)“ – es sind keine Kanonen gemeint und natürlich zum Lachen – sowie der „Marsch der Löwenreichswehr“ – seine Frau war im Sternzeichen des Löwen geboren – und „Die Gebetsmühle im Schwarzwald“ lassen schon Lustiges erwarten!
Terry Riley ist ein US-amerikanischer Komponist und Pianiat. Er trug mit seinen aus der asiatischen und afrikanischen Trancemusik stammenden atmosphärischen Klangteppichen zur „Erfindung“ der Minimal Music bei und gehört zu deren populärsten Vertretern. Gegen Mitte der 1960er Jahre führte er die auf rhythmischen Modellen beruhende Kompositionstechnik der Pattern-Music ein, so auch in seinem bekanntesten Werk In C. Mindestens zwei Musiker, möglich sind alle Instrumente, spielen diese vorgegeben „Muster“ in beliebiger Wiederholung und so entsteht ein improvisierender Charakter und jede Aufführung ist ein Unikat. Die vorgegebenen Muster spielen sich im Tonbereich C-Dur und sehr nahe verwandter Tonarten ab, daher stammt der Name, und es entsteht eine meditative Stimmung.
Ruth Schonthal wurde in Hamburg als Tochter jüdischer Eltern geboren, die aus Wien stammten. Sie begann schon im Alter von fünf Jahren zu komponieren und galt im Berlin der 1930er Jahre als Wunderkind. Sie studierte dort Klavier, Musiktheorie und Komposition bis sie 1935 von den Nationalsozialisten mit allen anderen jüdischen Kommilitonen vom Konservatorium "relegiert", also der Hochschule verwiesen wurde. Die Familie zog zunächst nach Schweden und floh später nach Mexiko, dort lernte Schönthal Paul Hindemith kennen, als dieser eine Tour durch Mexiko unternahm. Er war von ihrem Talent so beeindruckt, dass er ihr ein Stipendium für ein Studium an der Yale University in USA verschaffte, wo sie von 1946 bis 1948 bei ihm studierte. Ihre Musik verbindet alle Einflüße, die sie in den verschieden Ländern aufgesogen hatte. Sie wollte nicht „modern“ komponieren als Selbstzweck, sondern mit ihren Zuhörern „ins Gespräch kommen“. Das Duo und der Tango wurden vom Ensemble Tedesco ersteingespielt, den Link finden Sie in Kürze auf unserer Website.
George Speckert wurde in St. Louis, Missouri, USA geboren und lebt seit 1973 in Deutschland. 1984 wechselte er nach Hannover, wo er anfangs die Musikschule der Landeshauptstadt Hannover erst stellvertretend, ab 1995 dann hauptamtlich leitete. Zu unserer Freude komponierte er für das Ensemble Tedesco das Duo American Freedom, das wir am 13.3.2026 in Gleidingen welturaufführten. In meiner Familie wurde früher nur klassische Musik gehört, aber manchmal, wenn mein Vater alleine war, hörte ich ganz andere Klänge. Auf mein Nachfragen erklärte er mir, dass nach den Schrecken des Krieges in 1945 die Amerikaner den Jazz nach Deutschland mitbrachten, was für ihn zum Sinnbild der Lebensfreude und Freiheit wurde. Diese Stimmung finde ich in den vier Sätzen dieses Werkes wieder.
In Haifa geboren studierte Ofer Ben-Amots in Tel Aviv, Genf, Detmold und Philadelphia und lebt heute als Komponist und Professor in Colorado. Sein Stück Cantillation schrieb er als Auftragswerk für eine internationale akademische Konferenz und ein Musikfestival mit dem Titel "Voice of Ashkenaz" in New York, die zum Ziel hatte das musikalische Erbe des deutschen Judentums zu feiern. „Cantillation“ beschreibt die Art, wie im jüdischen Gottesdienst die liturgischen Texte nicht gelesen, sondern gesungen werden, als „Ashkenaz“ wird die deutsche Variante bezeichnet, die in den Vereinigten Staaten kaum bekannt ist, außer in den wenigen verbliebenen (ursprünglichen) deutsch-jüdischen Gemeinden, meist in New York und meist gegründet von Flüchtlingen aus dem Dritten Reich. Im ersten Satz des Duos führt die Klarinette in rhapsodischem, klageähnlichem Charakter und das Cello kommentiert in kleinen Rezitativen. Der zweite Satz ist flüssiger und die Interaktion zwischen den beiden Instrumenten wird neu ausbalanciert, um einen Dialog musikalischer Motive und Ideen zu schaffen. Die kurzen melodischen Fragmente vereinen sich zu einer ausgedehnten Phrase, die zwischen den beiden Instrumenten wechselt und so eine größere Rondoform bildet. Gemeinsam präsentieren die beiden Sätze das, was der Komponist als "eine Verwandlung von Ungleichheit in Harmonie beschreibt, die Verzweiflung in Hoffnung und Trauer in Freude verwandelt."
In der Nähe von Paris geboren gewann Germaine Tailleferre am dortigen Konservatorium mehrere erste Preise in verschiedenen Disziplinen. Sie war als einzige Frau Mitbegründerin und Mitglied der Groupe des Six, die das französische Musikleben um 1920 beeinflusste. 1925 zog sie mit ihrem Ehemann, einem amerikanischen Karikaturisten, nach New York, kehrte jedoch 1927 nach Frankreich zurück. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, verließ sie Frankreich erneut und gelangte über Spanien und Portugal in die USA. Dort lebte und wirkte sie in Philadelphia, Pennsylvania. Nach dem Krieg kehrte sie nach Frankreich zurück. Tailleferre schuf Werke nahezu aller musikalischen Gattungen, mehrere Opern, Balletmusiken, Konzerte, Klavier- und Kammermusik, daneben auch Musik für Film und Fernsehen. Die Solosonate für Klarinette komponierte sie im Jahr 1957. Ein großer Teil ihrer Werke wurde erst nach ihrem Tod veröffentlicht.
Klarinette und Cello, einerseits verschieden im Charakter, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten: Der ungeheure Tonumfang beider Instrumente reicht von allerhöchsten Höhen bis in dunkle Tiefen, und das warme Timbre ist der menschlichen Stimme sehr ähnlich. So kann es nicht verwundern, dass sie im Duo oftmals gleichberechtigt einhergehen und abwechselnd die Führung übernehmen oder zart begleiten. Sie können beide in Meldodien schwelgen, fröhlich und virtuos plaudern oder auch im Streitgespräch gegeneinander konkurrieren, ebenso im Klang miteinander verschmelzen als sei es ein riesiges Instrument mit vielen Tönen...! Innerhalb des seit über 30 Jahren bestehenden Ensemble Tedesco fand sich diese Duo-Formation seit 2021 zusammen und die beiden studierten Musikerinnen erarbeiten ein stetig wachsendes Repertoire: Neben vielen Orginalkompositionen der klassischen Zeit und der Moderne, finden sich auch Bearbeitungen, die Sie in den Jazz, die Folkmusic und die Welt beliebter Opernmelodien entführen. Das Saxophon kann die Stelle der Klarinette einnehmen und schmeichelt besonders mit seinem warmen, wohligen Klang.
In Schweden geboren, studierte sie Klarinette an der Musikhochschule in Piteå. Als Austauschstudentin kam sie nach Deutschland, wo sie bis heute lebt und eine Stelle als Klarinettistin im Bundespolizeiorchester innehat.
Daneben ist sie außerdem als Dozentin, als Saxophonistin und Kammermusikpartnerin tätig und spielt Aushilfe in div. Orchestern sowie Bühnenmusiken in der Staatsoper Hannover.
wurde in Riverside/Kalifornien geboren. Nach ihrem Violoncellostudium bei Prof. Gerhard Hamann in Trossingen ist sie seit 1989 Dozentin für Cello an der Freien Musikschule Hannover. Im Jahr 1992 wurde die Kammermusikvereinigung Ensemble Tedesco gegründet, in der sie bis heute als Cellistin mitwirkt.
Von 1993-2002 spielte sie regelmäßig bei den Symphonikern Hamburg, dem Göttinger Symphonie Orchester und im Philharmonischen Orchester Bremerhaven mit. Seit 2017 ist sie Mitglied im Kammerorchester Suon di Corda. Zur Vervollkommnung ihres Spiels besuchte die Cellistin 1999 einen Meisterkurs bei Boris Pergamenschikow und nahm viele Jahre regelmäßig Privatstunden bei Prof. Konrad Haesler.
Ihre Ausbildung als Dirigentin erhielt sie von Prof. Karl-Heinz Bloemeke, Detmold und nahm 2009, 2011 und 2013 aktiv an Meisterkursen bei Tilo Lehmann teil. Seit 2005 ist sie die künstlerische Leiterin des Kammerorchester Bothfeld und seit 2016 des Brahms-Orchester-Hannover.